Geschichte des Films & Kinos
vor 1900
Die Anfänge …
Thomas Alva Edison baut 1893 das erste Filmstudio (West Orange/New Jersey/USA).
28. Dezember 1895: Die Geburtsstunde des Kinos: Die Gebrüder Auguste und Louis Lumiere führen ihre Erfindung den “Cinématographe” in der Öffentlichkeit vor und zeigen Filmaufnahmen u.a. von Arbeitern, die in eine Fabrik gehen und eine Zugeinfahrt in den Bahnhof von La Ciotat.
George Méliès baut 1896 das erste Studio in Europa (Montreuil-Bois/Frankreich).
In dem Film “The Kiss” (1896) kommt es zum ersten Filmkuss.
Das erste Kino eröffnet 1897 seine Pforten in Paris.
1898 filmt der Engländer Robert K. Paul den ersten Film mit mehreren Szenen (“Come Along Do!” ).
Der Film “Tearing Down the Spanish Flag” (1898) geht als erster Propagandafilm in die Geschichte ein.
1910 – 1920
Erste Filme …
Mit den Filmen “Stop Thief!” und “Fire!” (1901) dreht James Williamson die beiden ersten Action-Filme.
George Méliès dreht die ersten Filme mit Handlung u.a. den berühmten 14-minütigen SF-Film “Die Reise zum Mond” (1902).
In Los Angeles eröffnet am 16. April 1902 das “Electric”, das erste Kino in den USA.
Das Experimentieren mit Kamera und Schnitt beginnt. “Der große Eisenbahnraub” (1903) von Edwin S. Porter entsteht und ist nicht nur technisch bahnbrechend, sondern gilt auch als der erste Western.
1906 gibt es ca. 5000 Kinos in den USA und 1908 sind es schon zwischen 8000 und 10000.
Das Magazin “Variety” publiziert ihre erste Filmkritik (1907) und somit einer der ersten Filmkritiken überhaupt.
Die Zeitung “New York Times” prägt den Begriff “Star” für Schauspieler/-innen (1909).
Aufgrund von Copyright Streitigkeiten um den Film “Ben Hur”, beginnen die Filmstudios sich Rechte für Bücher und Theaterstücke zu sichern (1909).
In Berlin eröffnet am Alexanderplatz mit dem “Union-Theater” der erste Kinopalast in Deutschland (1909) und somit etabliert sich das Kino auch in Deutschland schnell als Massenmedium.
1910 – 1920
Die Stummfilmära …
Produzent Carl Laemmle (späterer Gründer von “Universal Pictures”) “erfindet” das Star-System. Er baut die unbekannte Schauspielerin Florence Lawrence durch eine massive PR-Kampagne zum Film-Star auf (1910).
Der erste Stunt wird in einem Film gemacht: Ein Mann springt aus einem brennenden Ballon in den Hudson River (1910).
1911 werden die “Credits” am Anfang des Films eingeführt.
Emilie Altenloh publiziert “Zur Soziologie des Kinos. Die Kino-Unternehmung und die sozialen Schichten ihre Besucher” (1913).
Mit “Gertie the Dinosaur” kommt der erste bedeutende Trickfilm in die Kinos (1914).
Die Geburtsstunde Hollywoods (1914): Jesse Lasky mietet eine Scheune in L.A. an und nutzt sie als Studio.
David Wark Griffith entwickelt etliche neue Filmtechniken und dreht mit “The Birth of a Nation” (1915) einen Meilenstein des Kinos. Der Film ist ein immenser Erfolg, aber wegen seiner rassistischen Aussage sehr umstritten.
D. W. Griffith beginnt 1919 erstmals Filmsets anstelle von Außenaufnahmen zu nutzen.
1920 – 1930
Beginn des Tonfilms …
Mit Anfang der 20er Jahre kommen die großen amerikanischen Filmkomiker auf die Leinwand: Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd und Stan Laurel & Oliver Hardy.
Die (expressionistische) Ästhetik in “Das Kabinett des Dr. Caligari” (1920) von Robert Wiene setzt Maßstäbe für den Film.
Auf “Nosferatu, Symphonie des Graues” (1922) von Friedrich W. Murnau lassen sich fast alle späteren Horrorfilme zurückführen.
Robert J. Flaherty dreht mit “Nanuk, der Eskimo” (1922) den ersten Dokumentarfilm in Spielfilmlänge.
“The Toll of the Sea” (1922) ist Hollywoods erster Farbfilm.
Der russische Regisseur Sergei Eisenstein dreht den Klassiker “Panzerkreuzer Potemkin” (1925) und wird durch seine Montagetechniken einer der einflussreichsten Filmschaffenden aller Zeiten.
Mit “Don Juan” (1926) kommt der erste Tonfilm in die Kinos, allerdings beinhaltet der Ton nur Musik und Geräusche.
John Grierson nutzt erstmals in einer Rezension den Begriff des “Dokumentarfilms” (“documentary”) (1926).
Al Jolson wird der erste auf der Leinwand sprechende Mann. Mit dem erscheinen des Films “Der Jazzsänger” (1927) beginnt der Siegeszug des Tonfilms.
Fritz Langs düstere Zukunftsvision “Metropolis” (1927) erscheint.
Mit “Berlin – Symphonie einer Großstadt” von Walter Ruttmann erscheint einer der bedeutendsten deutschen Dokumentarfilme (1927).
Die “Academy of Motion Picture Arts and Science” wird gegründet (1927), die den ersten Oscar (1929) an den Film “Wings” verleiht.
24 fps (Frames per Second) werden zum Standard der Filmindustrie (1927).
Walt Disney stellt mit “Steamboat Willie” den ersten Film mit Mickey Maus vor (1928).
Paramount verkündet 1929 als erstes Studio nur noch Tonfilme zu produzieren.
In “Der Mann mit der Kamera” (1929) verbindet Dsiga Wertow Filmtheorie und Filmkunst.
John Grierson begründet mit Filmen wie “Drifters” (1929) die britische Dokumentarfilmschule und bringt eine gewisse Poesie und Ästhetik in den Dokumentarfilm. Einer der populärsten Filme wird “Nachtpost” (1936) mit Musik des britischen Komponisten Benjamin Britten.
Mit “Erpressung” (1929) erscheint der erste britische Tonfilm (Regie: Alfred Hitchcock).
Die amerikanische Filmindustrie produziert in den 20er und 30er Jahren durchschnittlich 800 Filme im Jahr, heute sind es “nur” ca. 500 Filme/Jahr.
1930 – 1940
Die goldenen Jahre von Hollywood …
Die Depression in den USA schlägt sich auch in den Filmen nieder: Die beliebtesten Genres werden das Musical, die eine Welt zeigt, von der die Leute zu der Zeit träumen (Fred Astaire und Ginger Rogers werden zum Traumpaar dieses Genres) und der Gangsterfilm, der ein Ausdruck der bedrückenden Realität ist (z.B. “Little Caesar” (1931) oder “Scarface” (1932)).
Mit “Der blaue Engel” (1930) beginnt die Karriere von Marlene Dietrich.
Ab 1930 werden in den USA die ersten Filme für den ausländischen Markt synchronisiert.
“M – Die Stadt sucht einen Mörder” (1931) gilt als einer der ersten Thriller der Filmgeschichte.
Klassiker des Horror-Genres entstehen: “Dracula” mit Bela Lugosi, “Frankenstein” mit Boris Karloff (beide 1931) und “King Kong” (1933) mit Fay Wray.
Durch die Machtübernahme Hitlers (1933) sind etliche Regisseure und Schauspieler zur Emigration gezwungen: u.a. Fritz Lang, Billy Wilder, Max Ophüls und Douglas Sirk.
Die Filmzensur (1934) in der USA wird verschärft und sogar Schlafzimmerszenen in Filmen werden verboten.
Donald Duck tritt erstmals in “The Wise Little Hen” (1934) auf.
Der erste Spielfilm in Farbe (Technicolor) kommt: “Becky Sharp” (1935).
Leni Riefenstahl produziert Propagandafilme für die Nazis: “Triumph des Willens” (1935) und “Olympia Teil 1 & Teil 2” (1938).
Disney bringt mit “Schneewittchen und die 7 Zwerge” (1937) ihren ersten großen Zeichentrickfilm heraus, zugleich der erste abendfüllende Farbzeichentrickfilm überhaupt.
“Vom Winde verweht” (1939) gewinnt 8 Oscars, u.a. Hattie McDaniel als erste farbige Darstellerin.
1939 wird von Filmkritikern, Film-Fans und Filmhistoriker als das “größte Kinojahr in der Geschichte” bezeichnet, da einige der besten und wichtigsten Filme aller Zeiten in diesem Jahr erschienen: u.a. “Vom Winde verweht”, “Mr. Smith geht nach Washingthon”, “Stagecoach”, “Der Zauberer von Oz” und “Ninotchka”.
Auf der Weltausstellung 1939 in New York wird der Öffentlichkeit das Fernsehen präsentiert.
1940 – 1950
2. WK und Nachkriegszeit …
Obwohl die Amerikaner bis zum Kriegseintritt versuchen neutral gegenüber Deutschland zu bleiben, fängt Hollywood (wo viele Emigranten gelandet waren) an sich gegen den Faschismus zu wehren: u.a. “Der große Diktator” (1940), “Man Hunt” (1941), “Sein oder nicht sein” (1942) oder “Saboteure” (1942).
Viele der großen Hollywood Regisseure arbeiten während des 2. WK für das Militär und drehen Lehr- und Dokumentarfilme: u.a. John Ford, Frank Capra und John Huston.
Mit “Der Malteser Falke” (1941) erscheint der erste Film des Genres “Film Noir”; 1946 mit “Tote schlafen fest”, der wohl wichtigste Film dieses Genres.
Orson Welles Debütfilm “Citizen Kane” (1941) gilt heute als einer der besten Filme aller Zeiten. Und das mysteriöse Wort “Rosebund” wird noch Generationen von Filmkritikern und -fans beschäftigen.
Mit “Casablanca” erscheint 1942 ein weiterer Klassiker für die Ewigkeit. Bei der deutschen Erstaufführung (1952!) sind alle Bezüge auf die Nazis herausgeschnitten.
Unter der Leitung von John Ford wird die Landung der Alliierten in der Normandie gefilmt (6. Juni 1944 / D-Day).
“Momotaro: The Holy Soldier of the Sea” erscheint 1945 der erste Anime.
Nach dem 2. WK entsteht der einflussreiche italienische Neorealismus. Wichtige Werke: “Rom, offene Stadt” (1945), “Deutschland im Jahre Null” (1948) und “Fahrraddiebe” (1948).
James Stewart spielt die Hauptrolle in “Ist das Leben nicht schön?” (1946), der Film, der heute in den USA der Weihnachtsklassiker überhaupt ist.
Siegfried Kracauers Buch “Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films” erscheint erstmals (1947). Im selben Jahr führen Adorno und Horkheimer den Begriff der “Kulturindustrie” ein (in “Dialektik der Aufklärung”).
1947 beginnt die McCarthy-Ära und somit die Jagd auf Kommunisten in Hollywood. 19 Hollywood-Prominente werden vom “House Un-Americans Activities Committee” (HUAC) zur Anhörung vorgeladen, um über mögliche Verbindungen zu Aktivitäten der Kommunistischen Partei auszusagen.
1949 nimmt die “Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft” (FSK) in Wiesbaden ihre Arbeit auf.
Kinozuschauer in Deutschland: 1946: ca. 300 Mio. / 1947: ca. 459 Mio. / 1948: ca. 443 Mio. / 1949: ca. 467 Mio.
1950 – 1960
Zwischen B-Movie und Monumentalfilm …
In der Nachkriegszeit wird der Typus des Anti-Helden im Kino populär: James Dean, Marilyn Monroe, Paul Newman und Marlon Brando werden zu Stars.
Billy Wilders Film “Sunset Boulevard” (1950) mit dem Stummfilmstar Gloria Swanson kritisiert zum einen das Studiosystem von Hollywood, zum anderen ist es ein Abgesang auf die Stummfilmzeit.
“Rashomon” (1950) von Akira Kurosawa ist einer der ersten japanischen Filme, der im Westen Aufsehen erregt und etliche renommierte Auszeichnungen gewinnt (u.a. Goldener Löwe & Oscar).
Mit dem riesigen Erfolg von Hans Deppes “Schwarzwaldmädel” (1950) (geschätzte 16 Mio. Zuschauer!) beginnt die Welle der Heimatfilme im deutschen Kino. Die Filme zeigen, wie damalige bundesdeutsche Probleme (z.B. Kriegsheimkehrer, Armut, soziale Ungleichheit) in einer harmonischen und heilen Welt gelöst werden.
Durch eine kurze Nacktszene wird der Film “Die Sünderin” zu dem deutschen Skandalfilm der Nachkriegszeit (1951).
“Das Ding aus einer anderen Welt” (1951) von Christian Nyby spiegelt als einer der ersten SF-Filme die Paranoia des Kalten Krieges wieder.
Andre Bazin gründet 1951 die wohl einflussreichste Filmzeitschrift in der Filmgeschichte: “Cahiers du Cinéma” und bringt Filmkritiker und spätere Filmemacher, wie z.B. Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Claude Chabrol, Eric Rohmer und Jacques Rivette hervor.
1952 erscheint mit “Bwana Devil” der erste Film in 3-D.
Das Studiosystem von Hollywood zerbricht langsam als James Stewart vom Studio unabhängige Verträge unterschreibt (1952).
Fox Studios bringt den ersten Film (“The Robe” (1953)) in CinemaScope (Breitwand) heraus, um gegen das stark aufstrebende Fernsehen anzukämpfen.
Die Oscar-Verleihung wird 1953 erstmals im Fernsehen übertragen.
Mit “Die Wüste lebt” (1954) kommt das Vorbild aller Tierfilme in die Kinos.
Senator McCarthy blamiert sich in einer Anhörung vor laufender Kamera (1954). Das Ende der McCarthy-Ära und seiner schwarzen Liste.
“08/15″ (1954) von Paul May löst eine eine Welle von Kriegsfilmen aus und untermauert so die Stimmung für eine deutsche Wiederbewaffnung.
Das Mosnter “Godzilla” erblickt 1954 erstmals das Licht der Leinwand.
Mitte der 50er wird auch in den USA das Genre des Science Fiction-Films populär. Insbesondere Roger Corman und Jack Arnold machen sich in dieser Zeit einen Namen bei der Produktion von sog. “B-Movies”. Highlights dieser Zeit sind: “Formicula” (1954), “Der Schrecken vom Amazonas” (1954), “Tarantula” (1955), “Die unglaubliche Geschichte des Mr. C” (1957) und “Der Blob” (1958).
“Blackboard Jungle” enthält als erster Film einen Rock´n´Roll Song: “Rock-Around-the-Clock” von Bill Haley and His Comets (1955).
Der Dokumentarfilmer Jean Rouch dreht nicht mehr mit Stativ, sondern trägt die Kamera auf der Schulter, um näher an das Geschehen zu kommen. Später prägt er den Begriff des “Cinema verite”.
In “Island in the Sun” (1957) kommt es zum ersten Kuß zwischen einer weißen Schauspielerin (Joan Fontaine) und einem farbigen Schauspieler (Harry Belafonte).
Billy Wilders geniale Komödie “Manche mögen´s heiß” (1959) wurde inzwischen vom American Film Institute zur besten Komödie aller Zeiten gewählt.
In Frankreich beginnt 1959 die Zeit der “Nouvelle Vague”, einer Bewegung junger Regisseure, zu deren Filmen u.a. “Außer Atem” von Jean-Luc Godard gehört.
“Ben Hur” (1959) gewinnt als erster Film 11 Oscars.
Kinozuschauer in Deutschland: 1950: ca. 487 Mio. / 1951: ca. 554 Mio. / 1952: ca. 614 Mio. / 1953: ca. 680 Mio. / 1954: ca. 735 Mio. / 1955: ca. 766 Mio. / 1956: ca. 817 Mio. (absoluter Höhepunkt!) / 1957: ca. 801 Mio. / 1958: ca. 750 Mio. / 1959: ca. 671 Mio.
1960 – 1970
Heile Welt der Musicals vs. düstere Dystopien …
Mit Alfred Hitchcocks “Psycho” (1960) entsteht ein Klassiker des modernen Horrorfilms.
Die Fluglinie TWA zeigt erstmals im Flugzeug einen Kinofilm (1961).
Mit “Lawrence von Arabien” (1962) entsteht einer der größten Filme aller Zeiten.
James Bond erscheint erstmals auf der Leinwand: Verkörpert von Sean Connery in “James Bond jagt Dr. No” (1962).
Sidney Portier gewinnt für seine Rolle in “Lillies in the Field” (1963) als erster Farbiger den Oscar für die beste Hauptrolle.
1963 beginnt mit “Wenn ich erst zur Schule geh´…” von Winfried Junge eine einzigartige Dokumentation mit der Langzeitbeobachtung der “Kinder von Golzow”, die sich über 40 Jahre erstrecken wird.
Ingmar Bergmans Film “Das Schweigen” (1963) löst eine große öffentliche Diskussion zum Thema “Sex im Film” aus.
1963 eröffnet in Kansas City/USA das erste Multiplex-Kino.
Mit “Cleopatra” (1963) kommt der teuerste Film aller Zeiten in die Kinos: Damalige Kosten 44 Mio. US-$, angepasst an die heutige Zeit wären dies ca. 300 Mio. US-$.
Mit “My Fair Lady” und “Mary Poppins” erscheinen 1964 gleich zwei (heute) legendäre Musical-Komödien.
Mit “Für eine Handvoll Dollar” von Sergio Leone erscheint der erste “Spaghetti-Western” (1964 in Italien / 1967 in den USA) und Clint Eastwood steigt zum Star auf.
David Lean dreht mit “Doktor Schiwago” (1965) einen weiteren Film-Klassiker.
1965 wird mit Hilfe des Bundesinnenministeriums das Kuratorium “Junger Deutscher Film e.V.” gegründet, welches in den folgenden Jahren zahlreiche Klassiker des deutschen Films hervorbringt: u.a. “Der junge Törless” (1966).
“Spur der Steine” (1966) mit Manfred Krug in der Hauptrolle: Heute ein Klassiker des DDR-Kinos, damals von der SED verboten.
Mit Sergio Leones “Spiel mir das Lied vom Tod” (1968) und Sam Peckinpahs “The Wild Bunch” (1969) erscheinen zwei der kompromisslosesten Western der Filmgeschichte.
1968 wird das Genre “Science Fiction” revolutioniert: Durch Stanley Kubricks “2001 – Odyssey im Weltraum” und Franklin Schaffners “Planet der Affen”.
George A. Romeros Kult-Horrorfilm “Night of the Living Dead” erscheint (1968).
Hollywood führt 1968 die ersten Publikumsbeschränkungen ein: G (allg. Publikum), PG (Begleitung von Eltern), R (beschränkt / ab 16 J.) und X (Nicht jugendfrei).
George Lazenby ist nun “Im Geheimdienst Ihrer Majestät” als James Bond / Agent 007 (1969).
Sony führt erstmalig den Videorekorder vor und das US-Verteidigungsministerium lässt den Vorläufer des Internets “Arpanet” online gehen (1969).
“Bonnie und Clyde” (1967) und “Easy Rider” (1969) läuten die Ära des “New Hollywood” ein und prägen das Bild des Anti-Helden.
Kinozuschauer in Deutschland: 1960: ca. 605 Mio. / 1961: ca. 517 Mio. / 1962: ca. 443 Mio. / 1963: ca. 376 Mio. / 1964: ca. 339 Mio. / 1965: ca. 321 Mio. / 1966: ca. 280 Mio. / 1967: ca. 216 Mio. / 1968: ca. 180 Mio. / 1969: ca. 172 Mio. > Siegeszug des Fernsehens
1970 – 1980
New Hollywood …
“Woodstock” gewinnt den Oscar für den besten Dokumentarfilm und ist stilbildend für alle folgenden Musikdokumentationen (1970).
Mit der Ära des “New Hollywood” entsteht eine neue Generation von Regisseuren und Filmen: u.a. Robert Altman “M.A.S.H.” (1970), William Friedkin “French Connection” (1971), Hal Asbhy “Harold und Maude” (1971), George Lucas “American Graffiti” (1973), Roman Polanski “Chinatown” (1974), Milos Forman “Einer flog übers Kuckucksnest” (1975) und Martin Scorsese “Taxidriver” (1976).
Mit Melvin Van Peebles “Sweet Sweetback´s Baadassss Song” beginnt die Zeit der Blaxploitation-Filme.
Die Filme “Clockwork Orange”, “Dirty Harry” und “Wer Gewalt sät – Straw Dogs” lösen eine große Debatte über Gewalt im Kino/Film aus (1971).
Der russische Regisseur Andrei Tarkowski dreht mit “Solaris” (1972) und “Stalker” (1979) zwei der wichtigsten Werke des russischen Kinos.
“Der Pate” von Francis Ford Coppola bricht 1972 alle Kassenrekorde und wird der Inbegriff des Mafia-Films.
“Leben und sterben lassen” ist das Motto des ersten James Bond-Films mit Roger Moore (1973).
Mit dem SF-Film “Westworld” kommt der erste Film in die Kinos der Computergrafiken (später als “CGI” bezeichnet) nutzt.
Steven Spielberg dreht mit dem Film “Der weiße Hai” (1975) den ersten Blockbuster. Erstmals spielt ein Film mehr als 100 Mio. US-$ ein.
Ab Mitte der 70er Jahre beschreiten Autorenfilmer wie Wim Wenders , Alexander Kluge und Rainer Werner Fassbinder neue Wege im deutschen Film.
George Lucas läutet mit “Krieg der Sterne” eine Revolution in der Tricktechnik ein (1977).
Die ersten bespielten Videokassetten werden verkauft und im Zuge dessen entsteht die erste Videothek in Los Angeles (1977).
Philips stellt 1978 mit der LaserDisc, den Vorläufer der heutigen DVD vor.
Mit “The Deer Hunter – Die durch die Hölle gehen” (1978) und “Apocalypse Now” (1979) kommen Ende der 70er Jahre zwei der besten und wichtigsten Vietnam-Filme in die Kinos.
Kinozuschauer in Deutschland: 1970: ca. 160 Mio. / 1971: ca. 152 Mio. / 1972: ca. 150 Mio. / 1973: ca. 144 Mio. / 1974: ca. 136 Mio. / 1975: ca. 128 Mio. / 1976: ca. 115 Mio. / 1977: ca. 124 Mio. / 1978: ca. 136 Mio. / 1979: ca. 142 Mio.
1980 – 1990
Blockbuster …
Mit Beginn der 80er Jahre greift die Debatte um die “Postmoderne” auch auf das Kino über. Filme von David Lynch oder Jean-Jacques Beineix gelten als Ausdruck dieser Epoche.
Volker Schlöndorff gewinnt für “Die Blechtrommel” den Oscar für den besten ausländischen Film (1980).
Mit “Heaven´s Gate” (1980) kommt einer der größten Flops aller Zeiten in die Kinos und markiert zugleich das endgültige Ende der “New Hollywood”-Ära.
Robert DeNiro perfektioniert das Method-Acting und nimmt für seine Rolle in “Raging Bull – Wie ein wilder Stier” (1980) 30 kg zu, was mit dem Oscar belohnt wird.
Ronald Reagan übernimmt als erster Schauspieler das Amt des Präsidenten der USA (1981).
Mit “Das Boot” (1981), “Paris, Texas” (1984) und “Der Himmel über Berlin” (1987) sind deutsche Produktionen weltweit erfolgreich.
Steven Spielberg und George Lucas werden das Dream-Team von Hollywood. “Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes” ist der Auftakt einer sehr erfolgreichen Zusammenarbeit. Harrison Ford wird durch die Rolle des Indiana Jones zum Superstar (1981).
Der Musiksender “MTV” geht auf Sendung und somit beginnt der Siegeszug der “Clip-Ästhetik” (1981).
Ridley Scotts düstere Dystopie “Blade Runner” (1982) floppt im Kino und wird erst viel später zum Erfolg und Kultfilm. Heute zählt der Film zu den wichtigsten Filmen der 80er Jahre.
“E.T. – Der Außerirdische” kann sich 16 Wochen lang an der Spitze der amerikanischen Kinocharts halten, solange wir kein Film vor oder nach ihm (1982).
Otto Waalkes bricht mit “Otto – Der Film” (1985) alle Zuschauerrekorde: Über 8,7 Mio. Zuschauer in Deutschland (BRD). Rechnet man die Zuschauerzahlen der ehemaligen DDR (5,7 Mio. Besucher) hinzu, kommt man auf 14,7 Mio. Besucher: Bis heute ein Rekord für einen deutschen Film.
Claude Lanzmann veröffentlicht seine Dokumentation “Shoah”, die heute als beste Dokumentation über den Holocaust gilt (1985).
Mitte der 80er Jahre begründet Regisseur John Woo in Hongkong die sog. Ära des “Heroic Bloodshed”, die die Ästhetik des Hollywood-Actionfilms bis zum heutigen Tage prägt. Wichtige Filme dieser Ära: “A Better Tomorrow” (1986), “Bullet in the Head” (1990) und “Hard Boiled” (1992).
“Schrei nach Freiheit” von Sir Richard Attenborough löst eine weltweite Diskussion über die Apartheid in Südafrika aus (1987).
“Der Hauch des Todes” (1987) ist das Debüt des neuen Bonds Timothy Dalton.
Mit “Die Hard – Stirb langsam” (1988) kommt ein neues Subgenre des Actionfilms auf: Das “Action-Kammerspiel”, in dem ein Held wider Willen auf begrenztem Raum agiert. Dies Konzept findet viele erfolgreiche Nachahmer: u.a. “Alarmstufe Rot” (1992), “Passagier 57″ (1992), “Cliffhanger” (1993) und “Speed” (1994).
“Falsches Spiel mit Roger Rabbit” (1988) zeigt die perfekte Verbindung von Zeichentrick- und Realfilm.
Die Computereffekte in James Camerons Film “Abyss” bringen die Special Effects auf die nächste Stufe (1989).
Kinozuschauer in Deutschland: 1980: ca. 144 Mio. / 1981: ca. 141 Mio. / 1982: ca. 125 Mio. / 1983: ca. 125 Mio. / 1984: ca. 112 Mio. / 1985: ca. 104 Mio. / 1986: ca. 105 Mio. / 1987: ca. 108 Mio. / 1988: ca. 109 Mio. / 1989: ca. 101 Mio.
1990 – 2000
Digitale Bilderwelten …
Kevin Costner landet mit “Der mit dem Wolf tanzt” (1990) bei Publikum und Kritikern einen Überraschungshit. Der Lohn: 7 Oscars.
Jonathan Demmes “Das Schweigen der Lämmer” (1991) schafft als erst dritter Film überhaupt alle Oscars in den fünf Hauptkategorien zu gewinnen (Film / Regie / Drehbuch / Hauptdarsteller / -in).
Mit “Boyz n the Hood” (1991) beginnt ein Aufschwung des unabhängigen, schwarzen Films in den USA.
Mit “Teminator II” (1991) und “Jurassic Park” (1993) werden die Computertricks im Film perfektioniert.
Die erfolgreiche Komödie “Der bewegte Mann” von Sönke Wortmann löst einen wahren deutschen Filmboom aus (1994).
Nach vielen kommerziellen Erfolgen gewinnt Steven Spielberg für “Schindlers Liste” endlich seinen ersten Regie-Oscar (1994).
Mit “Pulp Fiction” schafft Quentin Tarantino einen modernen Klassiker (1994).
Pierce Brosnan wird der James Bond der 90er Jahre und besteht in “Golden Eye” (1995) sein erstes Abenteuer.
Der erste komplett Computer generierte Trickfilm kommt ins Kino: “Toy Story” (1995).
Lars von Trier legt das Manifest “Dogma 95″ , welches ein Gegenentwurf zu den Hollywood-Blockbustern darstellt (1995).
1997 werden die ersten DVDs (Digital Versatile Disc) verkauft.
“Titanic” (1998) spielt weltweit mehr als 1,83 Mrd. US-$ ein und ist somit der erfolgreichste Film aller Zeiten. Allein in Deutschland sehen den Film über 18 Mio. Besucher.
Dank einer genialen Werbung über das Internet und einfachster technischer Mittel wird “Blair Witch Project” (1999) der erste Independent Blockbuster. Minimale Produktionskosten (22.000 US-$) gegenüber von einem weltweiten Einspielergebnis von 220 Mio. US-$.
Mit “Matrix” (1999) kommt ein Film in die Kinos, der Maßstäbe in Tricktechnik (u.a. erstmals die “Bullet Time” ) und Ästhetik (viele Filme und Comics übernehmen später den Look des Films u.a. “X-Men” (2000)) setzt. Aber auch die Story hat es in sich, da hier diverse philosophische Motive (u.a. des franz. Philosophen Jean Baudrillard ) mit einer spannenden und actiongeladenen Story verbunden werden.
Seit Mitte der 90er Jahre wird das asiatische Kino immer populärer. Ein Trend der sich im neuen Jahrtausend noch verstärkt. Wichtige Vertreter sind Wong Kar-Wai , Takeshi Kitano und Zhang Yimou.
Kinozuschauer in Deutschland: 1990: ca. 103 Mio. / 1991: ca. 120 Mio. / 1992: ca. 106 Mio. / 1993: ca. 131 Mio. / 1994: ca. 133 Mio. / 1995: ca. 125 Mio. / 1996: ca. 133 Mio. / 1997: ca. 143 Mio. / 1998: ca. 149 Mio. / 1999: ca. 149 Mio.
seit 2000
Von Cowboys, Hobbits und Spinnen …
Über 11 Mio. Besucher in Deutschland sehen Michael “Bully” Herbigs Western-Komödie “Der Schuh des Manitu” (2001).
2002 gewinnen mit Denzel Washington (für “Training Day” ) und Halle Berry (für “Monster´s Ball” ) zwei farbige Schauspieler erstmals die beiden Oscars für den besten Hauptdarsteller bzw. Hauptdarstellerin.
“Spider-Man” (2002) schafft als erster Film am Start-Wochenende mehr als 100 Mio. US-$ einzunehmen.
Michael Moore produziert mit “Bowling for Columbine” (2002) und “9/11 Fahrenheit” (2004) zwei weltweit erfolgreiche Filme und löst damit ein neues Zuschauerinteresse an Dokumentarfilmen im Kino aus.
2003 gewinnt Caroline Link für “Nirgendwo in Afrika” den Oscar für den besten ausländischen Film.
“Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs” von Regisseur Peter Jackson gewinnt 11 Oscars (2004), so viele wie zuvor nur “Ben Hur” und “Titanic” gewonnen haben.
“Bully” wiederholt seinen Erfolg: Fast 10 Mio. Zuschauer sehen die SF-Komödie “(T)Raumschiff Surprise – Periode 1″ (2004) in Deutschland.
2005 wird zum Jahr der “Bio-Pics” (Filmbiographien): u.a. über Ray Charles “Ray”, Howard Hughes “The Aviator”, James Matthew Barrie “Wenn Träume fliegen lernen” und Alfred Kinsey “Kinsey”.
Mit Daniel Craig als neuem 007 in “Casino Royale” (2006) startet die James Bond-Reihe sehr erfolgreich ins neue Jahrtausend. Der Nachfolger “Quantum of Solace” (2008) spielt sogar noch mehr an den Kinokassen ein.
“Das Leben der Anderen” gewinnt 2007 viele der großen Filmpreise (u.a. Oscar, BAFTA, Cesar, Europäischer Filmpreis, Lola).
Durch einen Streik der Drehbuchautoren (Writers Guild of America, WGA) in Hollywood verzögern sich etliche Kinofilme und viele TV-Serien beenden ihre Staffeln mit deutlich weniger Folgen (Nov. 2007 – Febr. 2008).
Das Blockbuster-Kino wird perfektioniert. Allein 15 Filme aus den Jahren 2000 bis 2008 sind in den Top 20 der Filme, die weltweit am meisten eingespielt haben. Fünf Teile der “Harry Potter”-Serie spielen insgesamt über 4,4 Mrd. $ ein, die “Herr der Ringe”-Trilogie über 2,9 Mrd. $, die “Fluch der Karibik”-Trilogie über 2,6 Mrd. $ und “The Dark Knight” allein 2008 fast 1 Mrd. $.
“Slumdog Millionaire” ist 2009 bei der Oscar-Verleihung mit 8 Preisen der erfolgreichste Film des Jahres, aber neben dem Erfolg entsteht eine große Debatte, um die Darstellung von Armut und den indischen Slums, von “poverty porn” ist die Rede.
Mit “Waltz with Bashir” ist 2009 erstmals ein animierter Film für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.
Kinozuschauer in Deutschland: 2000: ca. 153 Mio. / 2001: ca. 178 Mio. / 2002: ca. 164 Mio. / 2003: 149 Mio. / 2004: ca. 155 Mio. / 2005: ca. 127 Mio. (745 Mio. € Umsatz) / 2006: ca. 137 Mio. / 2007: ca. 125 Mio. / 2008: ca. 129 Mio.
Literatur:
Biskind, Peter (2004) “Easy Riders, Raging Bulls. Wie Sex, Drugs und Rock´n´Roll die Generation Hollywood rettete”, München.
Hake, Sabine (2004) “Film in Deutschland. Geschichten und Geschichte seit 1895″, Reinbek bei Hamburg.
Kahlenberg, Friedrich (1989) “Film”.
Monaco, James (2000) “Film verstehen. Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der neuen Medien”, Reinbek bei Hamburg (Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe).
Naughton, John / Smith, Adam (1999) “Kino”, München / London / New York.
Nowell-Smith, Geoffrey (Hrsg.) 1998) “Geschichte des internationalen Films”, Stuttgart / Weimar.
Links:
Top 100 der Kinofilme in Deutschland seit 1972
Senses of Cinema – Great Directors